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"Aus dem Leben" von Stefan Koch
Aus dem Leben
„Die Sathmarer Schwaben Oberschwaben im Südosten“ von Stefan Koch
Geburt (Seite 41)
Die Sathmarer Schwaben waren ein gottesfürchtiges Volk. Die Mütter nahmen die Kinder als von Gott gewollt an und wehrten sich nicht gegen gegen den Kindersegen. Es gab Familien mit 10 und mehr Kindern.
Wenn die Frau schwanger war, musste sie nach dem Volksglauben auf sich und ihr Kind sehr „Obacht“ geben. Was ihrem Kinde hätte Schaden bringen können, musste sie meiden. Sie durfte sich nicht erschrecken vor Krüppeln, vor Menschen mit verstümmelten Gliedern, vor Toten, denn der schreckhafte Anblick konnte ihrer Leibesfrucht schaden. Dass sie sich an einem auffälligen Kind nicht „verguckte“, musste sie es „anspucken“: „Bhi, bhi, dass i di it vrlueg.“ Erschreckte sie sich vor Feuer, dann konnte das Kind an der Stelle seines Körpers, wo sich die Mutter im Schreck anfasste, ein „Muttermal“ bekommen. Daher war es oberstes Gebot, beim Schreck die Hände weg vom Körper, vor allem niemals ins Gesicht greifen. Auch wenn sie Obst oder andere Nahrungsmittel begehrlich anschaute, konnte das beim Kind ähnliche Male hervorrufen. War eine Schwangere „glieschtig“ (gelüstig) nach „Abeere“ (Erdbeeren) oder „Frauebeer“ (Brombeeren), so musste diesem „Gluscht“ nachgeben, sonst konnte das Kind ein der betreffenden Frucht ähnliches Muttermal an der Körperstelle, welche sie im Augenblick der Gelüstens berührte, bekommen. Auch kam es vor, dass das Kind später im Leben eine Speise nicht essen konnte, weil die Mutter von einer Lieblingsspeise zu viel gegessen hatte. Eine schwangere Frau durfte im Weingarten (Weibearg), wo das meiste Obst wuchs, jede Frucht, die sie begehrte, überall abpflücken. Auch lud man die Schwangere, wenn sie zufällig jemand beim Essen antraf, immer zum mithalten ein. Man bot ihr alles, was sie anblickte, zum Essen an. Freilich musste sie dabei vorsichtig sein, denn manche Speisen und Getränke waren dem Kind nicht zuträglich. Aber der reichliche Genuss von Äpfeln, versprach laut Volksglauben, schöne Kinder. Die werdende Mutter sollte sich auch hüten, trüben Verstimmungen nachzugeben, sonst würde das Kind viel weinen.
Sie musste sie hüten von Menschen die den „bösen Blick“ hatten, vor dem „Überluege“. Auch musste sie sich vor Hexen und Schrättele in acht nehmen. Wenn jemand um Milch kam, durfte sie nicht vergessen, Salz darauf zu streuen. Sie sollte kein Kleidungsstück ausleihen.
Eine schwangere Frau genoss in der Familie allerlei Vorrechte. Man ließ sie keine schweren Lasten tragen. Man half ihr bei den Arbeiten. Nicht nur ihr Mann und die Familienmitglieder eilten ihr zu Hilfe, sondern auch die anderen Leute. Sie trachtete jedoch, ihre Aufgaben und Arbeiten nach wie vor ungeschmälert im Hause wie auch auf dem Felde zu verrichten. Sie wurde von allen in Ehren gehalten. Auch hütete man sich, sie zum Zorne zu reizen, weil sonst auch das Kind zornig werden könnte.
Hatte die schwangere Frau öfters Magenbrennen, wollte man darauf schließen, dass Kind einen üppigen Haarwuchs habe. Wenn die Frauen einen spitzen Bauch hatten, schloss man auf einen Buben, bei einem rundem Bauch erwartete man ein Mädchen.
Vor der Niederkunft gingen viele Mütter zur heilige Kommunion.
……………
„Eine Frau hatte ihr noch nicht 6 Wochen altes Kind, als sie zum Frondienst gehen musste, auf den Acker mitgenommen. Dort legte sie das Kind in den Schatten unter einen großen Baum. Sie hackte mit den Frauen auf einem nahen Acker. Auf einmal erhob sich eine Windsbraut (Wirbelwind). Im Wirbel von Staub und Stroh wurde das Kind, das friedlich unter dem Baum lag, mit einem anderen Kind vertauscht und von der Windsbraut mitgenommen. Dieser Austausch wurde von niemand bemerkt, nur der „Heiduck“ (Aufseher) beobachtete es. Bald darauf begann das Kind unter dem Baum zu weinen. Die Mutter wollte schnell zu ihm hineilen, doch der Heiduck ließ es nicht zu. Das Kind begann hierauf noch lauter zu schreien. Entschlossen wollte die Mutter zu ihrem vermeintlichen Kind eilen. Aber der Heiduck hinderte sie daran und hielt sie zurück. Als das Kind noch heftiger und lauter zu schreien und weinen begann, kam die Windsbraut zurück, legte das Kind der Frau wieder an seinen Platz und nahm das „Wechselkind“ mit sich mit. Beim Abgang drohte sie dem Heiduck mit dem erhobenen Finger: „Warte nur, du Sauhund!“ Der Heiduck rief darauf die Mutter des Kindes zu sich und sprach: „Wenn du jenes Kind gestillt hättest, so hätte die Windsbraut dein Kind nie mehr zurückgebracht!“ Von da ab ließ er keine Frau mit kleinem Kind zum Frondienst zu, nur wenn dies älter als 6 Wochen war.“

 


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