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  Hamroth, Homorodul de jos, Alsohomorod
 
Im Advent
Das Wort Adwent kommt vom lateinischen Wort "adventus" und bedeutet Ankunft, Erscheinen, "Adventus domini" Erscheinung oder Ankunft des Herrn. Die Kirche bezeichnet mit dem Wort Advent die sichtbare Ankunft Christi auf Erden zum Zwecke der Erlösung. Zwar ist der Sohn Gottes schon vor zweitausend Jahren im Fleische auf Erden erschienen und hat damit der Menschheit die Erlösung gebracht, doch erwarten wir ihn wieder zur Vollendung im Endgericht. Der Ursprung des Advents mit seinem Doppelgedanken an die Ankunft Christi in der Geburt und zum Endgericht reicht in das Altertum zurück. Schon sehr früh entwickelte sich die Adventszeit von einer allgemeinen Rüstzeit zu einer Rüstzeit zu einer Buß- und Fastenzeit mit strengen Vorschriften. In der gallischen und griechischen Kirche begann dies schon am 11.11., d.h. am Martinstag und dauerte 40 Tage und sollte an die 40 Tage des Fastens von Jesus, Moses und Elias erinnern. Vermutlich kommt von hier auch die Auffassung, daß es sich um eine Buß- und Fastenzeit handelt. Papst Gregor der VII. (1073-1085) setzte die 40-tägige Vorbereitungszeit auf 4 Wochen herab. Auch das Fastenangebot wurde gelockert. Es besteht nur noch am Vigil von Weihnachten. Später wurde der Advent zum Anfang des Kirchenjahres. In Sathmar ist der Advent, wenn auch nicht mehr so betont, eine Zeit des Fastens, zwar nicht so streng wie in der großen Fastenzeit, doch wird in vielen Familien freiwillig das frühere Fastengebot beachtet. Auch ist es üblich, daß auf Weihnachten die Erwachsenen und Heranwachsenden zur Beichte gehen. Der Advent ist auch eine Zeit der Sammlung, der Stille. "Kathreini, sperrt d'Geige eini!" (25.November) heißt es. Keine feierliche und laute Hochzeit darf in dieser Zeit stattfinden. Tanzunterhaltungen und frohe Feste sind während der Adventszeit verboten. Ausnahme sind nur "dr Klaseabed" (Nikolausabend) 5. Dezember und "d' Metzgersuppe", (der Abend am Tag des Schweineschlachtens). Da nimmt man sich das Recht für kurze Zeit froh und heiter zu sein. Wegen der Kälte mußte diese Zeit für das Schlachten ausgewählt werden, man hatte ja keine Kühlanlagen. Das "Metzgen" (das Schweineschlachten) ist immer ein Familienfest. Hierüber wird mehr an einer anderen Stelle berichtet.
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Am 8. Dezember 1934 trat ich meine Kantorlehrerstelle in Sukunden, eine Sathmarschwäbischen Gemeinde, an. Schon für den nächsten Tag war eine Roratemesse angesetzt. Meine Vorgänger im Amte waren Lehrer mit ungarischer Ausbildung und auch ungarischer Gesinnung. Ihre Hauptaufgabe sahen sie in der Madjarisierung der hiesigen Schwaben. Aus diesem Grunde wurde auch in der Kirche nur ungarischer Gesang gepflegt. Die alten deutschen Adventslieder wurden in den letzten 20-30 Jahren nicht mehr gesungen und waren zumeist nur den älteren Menschen bekannt und lieb. Ich sah meine Aufgabe wiederum darin, die alten Lieder wieder einzuführen und zu pflegen. Darum stimmte ich mit der Orgel diese an. Ich war gerührt, als ich vernahm, mit welcher Liebe und Kraft die Kirchenbesucher in die Lieder einstimmten.
Nach der Messe wartetten die meisten vor der Kirchentüre, obwohl dies nicht üblich war, auf mich und bedankten sich, manche mit Tränen in den Augen, daß ich diese herlichen Lieder, die sie so lange nicht mehr hörten, wieder eingeführt hatte. Diese Lieder konnten sie wiederum aus ganzem und vollem Herzen mitsingen. Diese haben sie tief im Innern berührt, und sie waren glücklich und froh darüber. Ich dachte oft über dieses Erlebnis nach und mußte mich fragen, ob meine Vorgänger sich des Unrechts bewußt waren, die sie begangen hatten, als sie diesen frommen Menschen jene Lieder, die diese von ihren Eltern erlernt und in ihrem Herzen bewahrt hatten, vorenthielten?
Ins "Rorate" zu gehen war beinahe eine Pflicht. Aus jeder Familie mußte wenigstens ein Mitglied dabei sein.
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Ausschnitt aus:
Die Sathmarer Schwaben-
Oberschwaben im Südosten
Von Stefan Koch

 

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